Die freiwillige Feuerwehr Hengersberg feiert 2017 ihr 150-jähriges Bestehen.

Und so fing alles Anno dazumal an:

 

 

C h r o n i k

Seit vor Jahrtausenden ein Blitzstrahl die erste menschliche Behausung zerstörte, führt der Mensch den Kampf gegen das Feuer. Nach seiner Vorstellung bestand die Welt aus den vier Elementen

Feuer, Wasser, Luft und Erde

Gegen alle vier kämpft er seit Anbeginn um sein Dasein:

"Denn die Elemente hassen
das Gebild der Menschenhand"

Bis ins 19. Jahrhundert beschränkte sich der gemeinsame Abwehrkampf der Menschen gegen das Feuer auf die Eimerkette.

"durch der Hände lange Kette
um die Wette fliegt der Eimer..."

So schreibt Friedrich von Schiller in seinem Gedicht "Das Lied von der Glocke".
In den alten Beschlussbüchern unserer Landgemeinden steht:

"Ihm wurde das Recht auf Einbürgerung verliehen mit der Auflage, 
einen Hanfeimer zu kaufen und für Feuerlöschzwecke bereitzustellen."

Meist aber behielt das grausame Element die Oberhand. So vernichtete das Feuer Einzelgehöfte und Dörfer, aber auch ganze Stadtteile.

Eine große Wende und Hilfe versprachen sich die Bürger von der neuen Druckpumpe, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Markt kam. Man konnte zwar auch damals die Eimerkette nicht entbehren, denn das Wasser musste von Hand ins Pumpengehäuse nachgefüllt werden. Bald darauf aber gab es die Saugdruckpumpen, die dann über ein halbes Jahrhundert Hauptlöschgerät der Feuerwehren war und erst ab etwa 1925 nach und nach von der Motorspritze abgelöst wurde.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlossen sich, zunächst in größeren Orten, wo auch die Brandgefahr größer war, Männer mit Herz und Gemeinsinn zu den ersten Feuerwehren zusammen. Da und dort gingen sie aus Turnverbänden hervor. Es war nicht ungefährlich, als Steiger oder Retter in Dunkelheit, Rauch und Hitze eine Leiter zu erklimmen und darum wurden hierzu mit Vorliebe Turner eingesetzt. Kraft, Schweiß und Ausdauer "bis zum Umfallen" wurde den Leuten an der Spritze abverlangt. Je vier Mann beiderseits mussten abwechselnd möglichst ruckartig den Hebel nach unten drücken, dann wurde stoßweise Löschwasser in die Flammen gespritzt; wegen des geringen Druckes musste der Strahlrohrführer nahe an den Brandherd heran, er war auf der Leiter Rauch und Hitze aus-
gesetzt. Ein Löscherfolg war mit der Handspritze kaum möglich und darum hatten viele Leute für die Feuerwehr nur ein Lächeln übrig und man machte sich lustig über sie. Trotzdem fanden sich diese Männer zusammen und sie verrichten bis zum heutigen Tage ihren Dienst nach dem alten Grundsatz im Feuerlöschwesen.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

Wie in vielen anderen Orten waren auch in Hengersberg Feuerlöschrequisiten vorhanden. In einem Protokollbuch der Marktgemeinde ist zu lesen: "Es sey nach kollegialer Berathung einstimmig zu beschließen, dass eine hinlängliche Zahl Wassereimer von Hanf und ein oder zwei hanfene 
Schläuche zu den Feuerspritzen angeschafft werden; die vorhandene Zahl der Wassereimer ist unzureichend und auch der eine Schlauch zur Spritze ist schadhaft."
Was fehlte, war eine Organisation, die mit den, wenn auch einfachen Geräten, geordnete und wirksame Hilfe leisten konnte. Auch wenn der nachstehende Zeitungsbericht vom 15. Juni 1867 anderes vermuten lässt:

Öffentlicher Dank

Der Magistrat Hengersberg ist im Namen der Bürgerschaft verpflichtet, gegen alle diejenigen, welche sich bei dem in der Nacht vom 12. auf 13. Juni dahier stattgefundenen Brande des Bräuhauses und der Oekonomiege-bäude des Joseph Streibl zur Rettung betheiligt haben, namentlich auch die Bewohner von der Gemeinde Schwarzach und Altenufer, dann die Stadt Osterhofen für hilfreiche Sendung einer Löschmaschine den herzlichsten Dank auszusprechen; insbesondere aber gebührt den zur rechten Zeit herbeigeeilten Niederalteichern unter der Leitung des Herrn Joseph Auer mit 2 Löschmaschinen und einer äußerst thätigen Mannschaft für die ganz ausgezeichnete Hilfeleistung die vollste Anerkennung und Dank, denn ohne deren thätigste Mitwirkung hätte der Brand unaufhaltsam noch schreckliche Verheerungen im Markte angerichtet. Es galt einen furchtbaren Kampf, dem zerstörenden Elemente das Weiterumsichgreifen zu verhindern; alle Anwesenden arbeiteten rastlos, und schafften nach Leibeskräften soviel Wasser bei, dass 5 Spritzen stets reichlich mit Wasser versehen waren, und die Nachbargebäude mit Wasser im Ueberflusse begossen werden konnten, und der ausdauernden Wehrkraft mußte endlich doch das wilde Element unterliegen. Wer die Brandstätte und die angrenzenden Gebäude und Holzschupfen sieht, muß staunen, und kann bemessen, mit welchem entschiedenen Muthe und Aufopferung dem Feuer begegnet wurde.
Gott sei Dank für die wunderbare Rettung des Marktes, und der Himmel wolle die Retter vor Brandunglück schonen.

Magistrat Hengersberg
Aufschläger, Bürgermeister

Am 20. August 1867 war es dann soweit. 69 Hengersberger, Geschäftsleute, einfache Bürger und Handwerksgesellen gründeten die Freiwillige Feuerwehr Hengersberg. Eine treibende Kraft hierfür war der og. Brandleider und Brauereibesitzer Joseph Streibl. Er übernahm in späterer Zeit für neun Jahre das Amt des Kommandanten und war anschließend lange Jahre Feuerwehrbezirksvertreter (heute Kreisbrandrat). Der bereits verstorbene Ministerpräsident Max Streibl ist ein Enkel dieses begeisterten Feuerwehrmannes.

Die Gründungsfeuerwehr hatte folgende Gliederung:

Ein Hauptmann, dazu zwei Adjutanten und drei Signalisten. Die zwei Steigerrottenführer mit ihren 24 mutigen Steigern sorgten für die Brandbekämpfung von oben. Der Kolonnenführer mit seinen elf Rettern war für die Bergung von Sachwerten zuständig. Elf Spritzenmänner bedienten die Druck-
Spritze. Weitere elf Kameraden waren als Bewachungsmänner für die Sicherheit der geborgenen Einrichtungsgegenstände eingeteilt. Zwei Sanitäter kümmerten sich um die Betreuung verletzter Personen und zwei Maschinisten waren für den einwandfreien Betrieb der Spritze zuständig.

Den Mitgliederlisten ist zu entnehmen, dass sich bei manchen Kameraden die Begeisterung für die Feuerwehr in zeitlichen Grenzen hielt. Einige waren nur ein Jahr bei der aktiven Truppe. Allerdings gab es auch treue Idealisten und so wurde bereits 1893 an 11 Kameraden Im Namen Seiner Majestät 
des Königs
das Ehrenzeichen für 25jährigen Feuerwehrdienst verliehen.

Auch die beiden Weltkriege haben große Opfer von und unter den Feuerwehrmännern gefordert. Darüber hinaus war es für die damaligen Kommandanten in diesen Kriegszeiten besonders schwer, den Feuerschutz in der Marktgemeinde zu gewährleisten. So wurde im Krieg 1914/18 eine Pflicht-
Feuerwehr aufgestellt und im Krieg 1939/45 musste sich der Kommandant mit 15- und 16-jährigen Burschen unter schwierigsten Umständen behelfen. Ebenso waren die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg für den Kommandanten ein mühseliges Unterfangen. Erst als 1957 ein paar junge Männer die Führung übernahmen, kam so richtig Schwung in die Mannschaft. Der Mitgliederbestand der Aktiven schnellte schlagartig nach oben und pendelte sich bei 60 Feuerwehrdienstleistenden ein.
Altersbedingte Abgänge konnten durch junge Nachwuchskräfte ersetzt werden. So herrschte immer eine gesunde Mischung aus älteren, einsatzerfahrenen Kameraden und jungen, einsatzhungrigen Nachwuchskräften. Mit dieser gesunden Mischung gingen wir ins neue Jahrtausend und wir werden alles daransetzen, dass dies so bleibt. Dabei wollen wir aber unseren Leitspruch nicht aus den Augen verlieren:

Einer für alle, alle für einen

 

 

 

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